Eckhard Scheld, Oberstudienrat, ein langjähriger treuer Wegbegleiter, verfasste auf Anforderung der Uni Gießen folgenden Artikel:

Sie, Herr Prof. Gansel,  haben mich gebeten, die russlanddeutsche Schriftstellerin Nelly Däs, den Teilnehmern des Kolloquiums vorzustellen, da ich mit ihrem Werk vertraut sei und die Autorin seit mehreren Jahrzehnten kenne und mit ihr eine Fülle von Lesungen und Lehrerfortbildungs- Tagungen durchgeführt habe.

Als Student wurde ich 1976 in Berlin, in der Kudamm -Buchhandlung von Marga Schoeller auf ihr Buch „Der Zug in die Freiheit“ aufmerksam. Die Lektüre des Buches faszinierte und veränderte mich. Nach der Lektüre des Buches war mein Interesse für die Deutschen aus Russland geweckt. Bei einer Tagung der Landesarbeitsgemeinschaft für Ostkunde im Unterricht auf dem Dörnberg bei Kassel lernte ich 1987 die Autorin kennen und habe seitdem ihre Werk mit Rezensionen begleitet und sie zu Lesungen in Schulen, in den Gemeinden und in kirchlichen Einrichtungen eingeladen.

 

Ich bin davon überzeugt, dass es hauptsächlich dem Können und der Beharrlichkeit der renommierten Erzählerin Nelly Däs zu verdanken ist, den Deutschen russlanddeutsches Schicksal nahe gebracht zu haben. Nelly Däs hat mit ihrem Werk zudem den Russlanddeutschen ihre ausgelöschte Geschichte wieder zurückgegeben.

Daher ist es sehr lobenswert, dass durch dieses Wissenschaftliche Kolloquium am Germanistischen Institut der Justus-Liebig-Universität unter der Leitung von Prof. Carsten Gansel nun ihr Schaffen gewürdigt wird, und zu hoffen ist, dass sie dadurch endlich den Rang bekommt, der ihr zusteht: Chronistin der Russlanddeutschen.

In ihren Büchern thematisiert sie Schicksalsjahre der Russlanddeutschen in der Sowjetzeit und reflektiert diese an biografischen Schicksalen. Ich bewundere das Fabuliervermögen, die Kraft und das Engagement der Autorin, da sie mit ihren Büchern dazu beiträgt, die Geschichte der russlanddeutschen Volksgruppe zu bewahren.

Für sie gilt das, was Alexander Solschenizyn einmal in seiner Nobelpreisrede ausführte:

In seiner Nobelpreisrede über die Literatur aus dem Jahre 1970, die er nicht halten durfte, da ihm die Ausreise nach Stockholm nicht gewährt worden war, erinnerte er an die Vertreter der russischen Literatur, die im Archipel Gulag geblieben sind:

„Eine ganze nationale Literatur ist dort geblieben, begraben, nicht nur ohne Sarg, sondern auch ohne Hemd, nackt mit dem Nummernschildchen an der Zehe.

Nicht für einen Augenblick war die russische Literatur unterbrochen – aber von außen gesehen, erschien sie als eine Wüste. Dort, wo ein ganzer Wald wachsen könnte, sind nach allen Kahlschlägen, zwei bis drei zufällig verschonte Bäume stehen geblieben.“

Zu diesen zwei bis drei bis drei zufällig verschonten Bäumen gehört, symbolisch gesprochen, auch Nelly Däs.