Eine wahre Begebenheit

In Andrenburg lebte ein Mann mit 7 Kindern. Schmalhans war bei ihnen Küchenmeister. Eines Tages war er mit mehreren Männern auf dem Feld, um Mais zu brechen. In der Vesperpause setzte er sich etwas abseits, damit die Männer nicht sehen sollten, dass er nur eine kleine Salo-Schwarte dabei hatte. Sein Brot aß er trocken. Als er fertig war, schmierte er die Schwarte so um seinen Mund, dass er vor Fett triefte. ... Er zeigte seine fettige Schnute und rief aus: "Ach, wie habe ich gut gegessen!" ... Von diesem Tag an hatte er seinen Spitznamen: Speckschnütle.

Zum Ausprobieren: Schmandkuchen

Teig:

  • 200 g Mehl
  • 60 g Schmalz
  • Prise Salz
  • 100 ml Milch
  • daraus einen glatten Mürbeteig kneten
  • halbe Stunde ruhen lassen

Belag:

  • 3 Eigelb
  • 2 Becher saure Sahne
  • Salz
  • Kümmel
  • etwas Schnittlauch
  • die Eigelbe mit der sauren Sahne gut verrühren und auf dem Boden verteilen
  • Kümmel und Schnittlauch darüber streuen
  • 25 bis 30 Minuten bei 180 Grad im Backofen backen.

Guten Appetit!

 Däs, Nelly: Kochbuch der Deutschen aus Russland,Stuttgart 1996, 160 Seiten, Spiralbindung

Dass die russlanddeutsche Schriftstellerin Nelly Däs auch etwas vom Kochen versteht, ist nichts Neues, schon 1986 stellte sie für den Südwestrundfunk ein wolgadeutsches Festessen „Gschtremmte“ vor, worauf sie sehr viele Zuschriften erhielt. Über 1800 Mal (!) wurde das Rezept angefordert. Natürlich ist auch dieses Gericht in dem neuen Kochbuch (S. 27) enthalten, das vorzüglich gemacht ist. In mühseliger Kärrnerarbeit sammelte die Autorin die handschriftlich aufgezeichneten Rezepte, die in den Kolonistendörfern von der Mutter an die Tochter weitergegeben wurden. Sie liegen hier zum ersten Male publiziert vor. Nicht nur traditionelle Gerichte der Russlanddeutschen wurden hier veröffentlicht, sondern auch die Gerichte, die in den jeweiligen Gegenden von den Einheimischen übernommen wurden. So finden wir hier natürlich auch Rezepte für „roten Borschtscht“, eine ukrainische Spezialität, für einen kasachischen Lammtopf oder für ein Gericht „Huhn in Tomaten", das aus Usbekistan stammt. Eindrucksvoll sind die verschiedenen Geschichten und Anekdoten, die zu diesen Gerichten abgedruckt wurden. So auch eine Erinnerung von Lilly Lämmle, die von der Herstellung einer Moos-Brennesselsuppe erzählt, die im Sommer 1941 die nach Sibirien deportierten russlanddeutschen Familien vor dem Hungertod bewahrte. In dem Buch finden sich auch einige Backrezepte und eine vorzügliche Anleitung zur Herstellung eines Nusslikörs. Beim Studium des Buches und Ausprobieren der Rezepte werden Sie viele Anregungen bekommen. Die Spiralbindung erlaubt es zudem, das gewünschte Rezept aufzuschlagen, ohne dass das Buch zuklappt. Einen leichteren Zugang zur Geschichte der Russlanddeutschen gibt es nicht. 

Eckhard Scheld / Juni 1996

 

Ich wurde schon oft gefragt wie ich auf die Idee kam, ein Kochbuch zu schreiben. Bei einigen Lesungen an Schulen fragte ich öfters die einheimischen Schüler, ob sie mit Aussiedlerkinder befreundet wären. Es fanden sich immer welche, die mir sagten, ja, und sie seien sogar zum Essen eingeladen gewesen. Kochen können deren Mütter, einfach super. Da kam mir der Gedanken mit dem Kochbuch. Das Kochbuch ist auch bei den Einheimischen sehr beliebt - und darauf bin ich besonders stolz. Ein Parteifreund hat nach Amerika 10 Exemplare an Freunde geschickt. Die erste Auflage bei der Landsmannschaft umfasste 5000 Exemplare. Es hat schon drei Auflagen erreicht.
Auf der ersten Seite steht:
 
Das Buch ist zum Gebrauch gedacht,
zum Lesen und Studieren.
Wer sich dieses Buch zu Eigen macht,
wird davon profitieren!